48151 Münster
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Objekt wurde umgebaut, saniert oder erweitert
- Baujahr:
- 1913 (Bestand), 2025 (Umbau)
- Epoche(n):
- Reformarchitektur, Gegenwart
- Urheber*in:
- Bauherr*in:
Der 1913 im Umfeld der ehemaligen Train-Kaserne errichtete Bestand an der Weißenburgstraße zählt zu einer Gruppe ehemaliger Reihenhäuser für Unteroffiziere und deren Familien, die nach dem teilweisen Abbruch der Kasernenanlage erhalten wurden. Das Reihenendhaus in der Weißenburgstraße in Münster wurde nach den Plänen von Andreas Schüring Architekten umfassend umgebaut und erweitert. Obwohl das Gebäude nicht unter Denkmalschutz steht, besitzt es aufgrund seiner Lage am ehemaligen Kaserneneingang sowie seiner Bedeutung für das Straßenbild eine besondere städtebauliche Relevanz.
Der Ausgangspunkt der Transformation bildete ein rückwärtiger Anbau aus den 1970er-Jahren, der die ursprüngliche Gebäudestruktur zur Gartenseite hin überformt hatte. Anstelle einer vollständigen Neuordnung wurde der bestehende Sockel mit Keller und Fundamenten aufgegriffen und durch eine neue Konstruktion ergänzt. Der rückwärtige Anbau aus den 1970er-Jahren wurde zurückgebaut, seine Fundamente und Teile der tragenden Struktur jedoch für die Erweiterung weiterverwendet. Die historische Mansarddachform wird geometrisch aufgegriffen, in ihrer Kontur verlängert und als neue Stahl-Holz-Konstruktion weiterentwickelt. Der prägnante Mansardenknick läuft in Richtung Garten aus. Bestand und Erweiterung gehen auf diese Weise geometrisch ineinander über, ohne die unterschiedlichen Entstehungszeiten zu überdecken.
Die straßenseitige Fassade des Ziegelhauses bleibt baulich nahezu unverändert, während sich der rückwärtige Gebäudeteil vollständig zum Garten hin öffnet. Die Stirnseite der erweiterten Dachform wurde als großflächige Glasfassade realisiert, die einen transparenten Abschluss des zuvor weitgehend geschlossenen Baukörpers bildet. Über die großflächige Verglasung des Dachgeschosses und den zentralen Luftraum gelangt Tageslicht bis tief in das Gebäude.
Durch den Ausbau und die räumliche Erweiterung erhöht sich die Wohnfläche des Hauses von etwa 80 auf 128 Quadratmeter. Die innere Neuorganisation wird wesentlich durch die vertikale Lichtführung und Treppenerschließung bestimmt. Eine filigrane Stahltreppe verbindet die Geschosse und entwickelt sich zu einem offenen Erschließungsraum im Zentrum des Hauses. Im Dachgeschoss ersetzt ein begehbarer Tageslichtrost einen geschlossenen Boden über dem Luftraum und ermöglicht den Tageslichteinfall bis in die unteren Geschosse und das Kellerniveau. Gleichzeitig entstehen über mehrere Ebenen Sichtbeziehungen innerhalb des Hauses. Den oberen Abschluss bildet ein offener atelierähnlicher Raum im Dachgeschoss, dessen großflächige Verglasung den Blick über den Garten freigibt.
Die bestehende Tragstruktur des Bestandes konnte weitgehend erhalten und punktuell ergänzt werden. Brandschutztechnisch erforderliche Bauteile wurden in die vorhandene Konstruktion integriert. Historische Backsteine aus zurückgebauten Innenwänden wurden gesichert und vollständig an anderer Stelle, wie bei der Einfassung des Vorgartens, wiederverwendet. Eine in den 1980er-Jahren aufgebrachte Außendämmung wurde entfernt und durch eine Innendämmung ersetzt, wodurch die ursprüngliche Ziegelfassade wieder freigelegt, aufgearbeitet und neu eingeschlämmt werden konnte.
Die Sanierung stellt somit die Materialität des historischen Bestands wieder stärker heraus und verbindet sie mit den sichtbar zeitgenössischen Bauteilen aus Stahl, Holz und Glas. Der Entwurf versteht sich dabei nicht als singulärer Eingriff, sondern als Weiterführung vorhandener räumlicher und konstruktiver Spuren.
Autor*in: Redaktion baukunst-nrw
Text zuletzt geändert am 06.10.2026
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