Im Fokus - Rokoko under Construction
Schloss Augustusburg (Foto: Thomas Robbin)
Die Ausstellung „Rokoko under Construction – The Making of Schloss Augustusburg“ zeigt den jahrzehntelangen Entstehungsprozess eines der bedeutendsten Bauwerke dieser Epoche. Weitere Objekte des Rokoko auf baukunst-nrw.
Rokoko under Construction – The Making of Schloss Augustusburg
Am 27. Juni 2026 wurde im Schloss Augustusburg in Brühl eine ungewöhnliche Ausstellung zur Architekturepoche des Rokoko eröffnet. Unter dem Titel „Rokoko under Construction – The Making of Schloss Augustusburg“ richtet sie erstmals den Blick nicht auf das fertige Bauwerk, sondern auf den jahrzehntelangen Entstehungsprozess eines der bedeutendsten Bauwerke dieser Epoche.
Die Ausstellung nimmt die Besucherinnen und Besucher mit auf eine Zeitreise in das 18. Jahrhundert – auf eine europäische Großbaustelle, die über mehr als 40 Jahre hinweg das heutige UNESCO-Welterbe Schloss Augustusburg geprägt hat. Auftraggeber war der Kölner Kurfürst und Erzbischof Clemens August von Bayern, der ein Netzwerk aus Architekten, Künstlern und Handwerkern aus ganz Europa zusammenführte.
Im Zentrum steht damit ein Perspektivwechsel, der auch für den heutigen Architektur- und Planungsdiskurs hochaktuell ist: Bauen wird nicht als singulärer Entwurfsakt verstanden, sondern als komplexer, kollaborativer und oft konfliktreicher Prozess. Neben bekannten Protagonisten wie den Baumeistern François de Cuvilliés und Balthasar Neumann werden bewusst auch bislang weniger beachtete Akteurinnen und Akteure sichtbar gemacht – von Handwerkern über Lieferanten bis hin zu Tagelöhnern.
Mit rund 150 Exponaten, darunter Bauzeichnungen, Modelle, restaurierte Ausstattungselemente und Gemälde, beleuchtet die Schau Fragen nach Materialität, Technik und Organisation historischer Bauprozesse. Interaktive Stationen machen traditionelle Handwerkstechniken wie Fresko- und Stuckarbeiten oder Vergoldung erfahrbar und schlagen zugleich eine Brücke zu aktuellen Themen wie Ressourcenschonung, Recycling und Denkmalpflege.
Gerade vor dem Hintergrund aktueller Debatten um Umbaukultur und nachhaltiges Bauen zeigt die Ausstellung eindrucksvoll, dass viele Fragestellungen der Gegenwart – etwa zur Wiederverwendung von Materialien oder zur Bedeutung qualitätsvoller Handwerksarbeit – bereits im historischen Kontext angelegt sind.
Die Schlösser Brühl gehören mit jährlich über 110.000 Besuchenden zu den Highlights der deutschen Kulturdenkmäler. Sie sind seit 1984 UNESCO-Welterbe und gehören damit zu den wichtigsten Kulturschätzen der Menschheit. Die Stätte umfasst das imposante Schloss Augustusburg, das intime Schloss Falkenlust und den idealtypischen Schlossgarten im französischen Stil. Die gesamte Anlage befindet sich im Besitz des Landes Nordrhein-Westfalen.
Die Sonderausstellung ist noch bis zum 1. November 2026 in Schloss Augustusburg in Brühl zu sehen und wird von einem umfangreichen Rahmenprogramm begleitet.
Weitere Infromationen zur Ausstellung: www.schlossbruehl.de/ausstellung/