48291 Telgte
- Baujahr:
- 13. / 16. / 17. / 18. Jh.
- Epoche(n):
- Renaissance, Barock
- Urheber*in:
- Bauherr*in:
Der historische Stadtkern von Telgte gehört zu den charakteristischen Ortsbildern des Münsterlandes. Seine Struktur geht auf die mittelalterliche Stadtgründung zurück: 1238 erhielt Telgte die Stadtrechte, im 14. Jahrhundert wurde der Ort befestigt. Der Verlauf der ehemaligen Befestigung ist noch heute im Bereich des Hagenrings und der Wallanlagen nachvollziehbar. Prägend für das Stadtbild ist die Lage an der Ems, deren Furt die Entwicklung des Ortes begünstigte und die bis heute die Altstadt mit ihrem Umfeld verbindet.
Das Zentrum bildet der Marktplatz mit der Kapellenstraße. Enge Straßenräume, giebelständige Fachwerkhäuser und einzelne repräsentative Bürgerhäuser vermitteln noch heute einen Eindruck von der historischen Stadtstruktur. Zu den bemerkenswerten Fachwerkbauten zählt das Clarahaus an der Herrenstraße, ein vermutlich im späten 17. Jahrhundert errichtetes Gebäude mit vorkragendem Giebel. Ebenfalls hervorzuheben ist das Haus Pohlmeier-Bracht, ein stattliches Backsteinhaus mit Volutengiebel und einem auf 1568 datierten Kaminsturz. An der Emsstraße befindet sich die Alte Synagoge, ein restauriertes Fachwerkgebäude und eines der bedeutenden Zeugnisse jüdischer Geschichte in Telgte.
Besondere Bedeutung besitzt das Ensemble aus Propsteikirche St. Clemens, barocker Wallfahrtskapelle und RELíGIO, das als „Telgter Dreiklang“ bezeichnet wird. Die Propsteikirche prägt mit ihrem Baukörper den nördlichen Rand der Altstadt; unmittelbar daneben steht die 1654 begonnene Wallfahrtskapelle. Der achteckige Zentralbau mit Kuppel entstand im Auftrag des Fürstbischofs Christoph Bernhard von Galen und wurde zum architektonischen Mittelpunkt der Telgter Wallfahrt.
Am Emswehr steht mit dem Christoph-Bernsmeyer-Haus ein weiterer markanter Bau. Die ehemalige „Große Mühle“ wurde im 18. Jahrhundert grundlegend erneuert; ein Wappenstein am Giebel erinnert an die Renovierung von 1754, an deren Planung der westfälische Barockbaumeister Johann Conrad Schlaun beteiligt war. Später wurde das Gebäude von den Mauritzer Franziskanerinnen genutzt und nach deren Ordensgründer Christoph Bernsmeyer benannt.
Der besondere Reiz der Telgter Altstadt liegt damit weniger in einem einheitlichen historischen Baustil als im Nebeneinander unterschiedlicher Zeitschichten. Mittelalterliche Stadtstruktur, Fachwerk- und Backsteinarchitektur, barocke Sakralbauten und jüngere Ergänzungen bilden ein dichtes Gefüge, in dem die religiöse und bürgerliche Geschichte der Stadt unmittelbar ablesbar wird. Ergänzt wird das historische Ambiente durch die Marienlinde, Kunstwerke im öffentlichen Raum und die Wege entlang der Ems.
Autor*in: Redaktion baukunst-nrw
Text zuletzt geändert am 07.10.2026
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